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Audio-taktile Gedenktafel erinnert an die Kieler Blindenschule am Königsweg

Der Kieler Bürgermeister Peter Todeskino (Bündnis 90/Die Grünen) hat am 9. Oktober 2013 zusammen mit der 2. Stellvertretenden Landesvorsitzenden des BSVSH, Harriet Claßen, eine einzigartige Gedenktafel für die Kieler Blindenschule enthüllt, die dort von 1877 bis 1941 zu Hause war. Die Tafel lädt ein zum Anschauen, Anfühlen und Zuhören.

Zur Einweihung gekommen waren drei Kieler Amtsleiter, der Vorsitzende des DVBS, Uwe Boysen aus Bremen, BSVSH -Ehrenmitglied Annegret Walter, die das Projekt mit auf den Weg gebracht hat, und die letzte noch lebende Schülerin der Kieler Blindenschule, Annemarie Rönfeldt.
Von den Menschen, die an der „Provinzialständischen Blindenanstalt“ lehrten, erzogen, lernten und lebten, sind nur noch wenige am Leben. Von den alten Gebäuden steht kein Stein mehr, nichts erinnert mehr an diese wichtige Bildungsstätte. Dass in der Kieler Blindenschule die Brailleschrift früher als an den meisten anderen deutschen Blindenschulen eingeführt wurde, dass hier die Systematik der deutschen Blindenkurzschrift entworfen wurde, ist kaum noch bekannt. In Kiel wurden aber, das ist sicher, die Grundlagen der Blindenkurzschrift gelegt, die nach ihrer Durchsetzung weiter-entwickelt wurde und heute noch im ganzen deutschsprachigen Raum benutzt wird.
Erst mit der Staatlichen Schule für Blinde und Sehbehinderte, dem jetzigen Landesförderzentrum Sehen in Schleswig, gab es ab 1983 wieder eigene Schulangebote in Schleswig-Holstein und wieder wurden Maßstäbe gesetzt. Durch das Landesförderzentrum Sehen in Schleswig wird das Konzept der integrierten oder inklusiven Beschulung blinder und sehbehinderter Kinder und Jugendlicher am konsequentesten verfolgt. Fast alle blinden und sehbehinderten Schüler hierzulande sind in die Regelschulen integriert und werden dabei von den landesweit tätigen, qualifizierten Pädagogen des Landesförderzentrums begleitet.
Es ist vor allem Dr. Jürgen Trinkus zu verdanken, dass die Erinnerung an die Kieler Blindenschule bewahrt wird. „Es muss einen realen Ort der Erinnerung geben“, sagte er und brachte Know-how ins Spiel, das von Andersicht e. V. für Landschaftsreliefs entwickelt worden ist. Nach seinen Vorstellungen sollte ein besonderer Ort geschaffen werden, nicht pompös aber doch erlebbar mit sehenden Augen, fühlenden Händen und lauschenden Ohren. So entstand die erste audio-taktile Gedenktafel. Ein bisher einmaliges Projekt!
Die schlichte, 30 mal 40 cm große Tafel trägt gut ertastbar das Briefsiegel der Provinzialständischen Blindenanstalt Kiel mit der entsprechenden, knapp informierenden Inschrift "Provinzialständische Blindenanstalt Kiel am Königsweg 80 1877-1941", ausgeführt in Braille- und Reliefschrift. Die Tafel wurde gefräst aus dem holzähnlichen Kunststoff Polyurethan und mit einer farbigen Klarlackversiegelung handschmeichelnd und wetterfest veredelt.
Das Besondere der Tafel aber steckt in ihrem Inneren. Ein Radarsensor nimmt Bewegungen direkt vor der Tafel wahr und startet einen Audiospieler. Auf ihm sind acht Stücke Zeitzeugenton gespeichert. Bei jeder Annäherung wird eines davon abgespielt. Zu hören sind die letzte noch lebende Schülerin Annemarie Rönfeldt (geb. 1927 in Lütjenburg); Margaretha Steinführer (geb. 1928 in Kiel) als Tochter des Blindenlehrers Gustav Jungjohann; Willi Schlüter (geb. 1921 in Oldenburg/Holst.) der seine Erinnerungen für ein Buch von Wolfgang Drave 1993 auf Kassette sprach; Edith Golinski (geb. 1912 in Preetz) starb bereits 1986.
 
Die Gedenktafel soll das lebendige Geschichtsbild der Landeshauptstadt Kiel vervollständigen. Sie soll Begegnungsmöglichkeiten anbieten für alle interessierten Zeitgenossen, besonders aber für die Jugendlichen, die heute an diesem Ort Ausbildung bekommen.


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